Entwicklungen im Tankstellenmittelstand: 5 Fragen an Stephan Zieger

Entwicklungen im Tankstellenmittelstand: 5 Fragen an Stephan Zieger

Stephan Zieger ist seit vergangenem Jahr alleiniger Geschäftsführer des bft. Wir haben ihn zu den Entwicklungen und Herausforderungen im Tankstellenmittelstand befragt.

 

 

1. Herr Zieger, Sie sind seit wenigen Monaten alleiniger bft-Geschäftsführer. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Arbeitsam. Graf Bülow hat ein großes Netzwerk geknüpft, dass es zu übernehmen gilt. Kontaktpflege und Vernetzung sind die wichtigsten Aufgaben eines Verbandes. Der Vorstand, die neue Kollegin Sarah Schmitt, die das Berliner Büro leitet, die Geschäftsführer unserer Einkaufsgesellschaft und die Kollegen aus dem MEW haben mich dabei in hervorragender Weise unterstützt. Man merkt, dass der Teamgedanke in dieser Gemeinschaft weit vorne steht. Daran habe ich auch angeknüpft.

2. Welche Risiken sehen Sie für den Tankstellenmittelstand in der Zukunft?

Es gilt das Thema E-Fuels voranzubringen. Die Vertreter der Elektromobiliät sind gut vernetzt und das Thema wird in der relevanten Öffentlichkeit kritiklos vorangetragen. Dabei sind die Risiken, nämlich Effizienz, die Herkunft und Gewinnung und Nachhaltigkeit der benötigten Rohstoffe nicht wirklich bekannt. Elektro steht für sauber, da ist öffentlichkeitswirksam gute Arbeit geleistet worden. Das stimmt aus meiner Sicht so leider nicht. Ich denke, dass die E-Mobilität einen Beitrag leisten kann für die Mobilität der Zukunft. Aber eben nur einen Teil.  
Wir müssen aufzeigen, welche Chancen die E-Fuels bedeuten. Aus "grünem" Wasserstoff und nachhaltiger Energie erzeugte Kohlenwasserstoffverbindungen können in den vorhandenen Strukturen zu den Grundstoffen für die künftige Mobilität werden. Die Infrastruktur für diese Kraftstoffe steht bereit und muss nicht mit großem Kostenaufwand errichtet werden. Und der Mittelstand ist Bestandteil dieser Struktur. Der Übergang zu den E-Fuels kann schrittweise erfolgen. Das ist der große Vorteil.
Wir müssen in den nächsten Jahren aber massiv auftreten, um den Verantwortlichen die Chancen dieser Kraftstoffe aufzuzeigen. Bedenken Sie, alleine in Deutschland gibt es 47 Millionen PKW. Ohne flüssige Kraftstoffe, kommt unsere Mobilität zum Stillstand. Und ich denke nicht, dass das gewollt ist.

3. Und welche Chancen sehen Sie für den Tankstellenmittelstand im Vergleich zu den Konzernen?

Der Mittelstand ist hervorragend aufgestellt! Er hat sich in den vergangenen Jahren im harten Wettbewerb mehr als behauptet. Die Standorte, die der Mittelstand unterhält, sind wettbewerbsfähig und attraktiv. Die unrentablen Standorte hat der Mittelstand längst geschlossen. Im Qualitätswettbewerb schließen wir ebenfalls auf. In dem im bft organisierten Mittelstand gibt es rund 500 Unternehmer, die zusammen über 2.500 Tankstellen betreiben. Da werden täglich neue und bessere Ideen geboren. 
Die Messe TANKSTELLE & MITTELSTAND in Münster wird dies noch einmal sehr deutlich zeigen. Auch unsere jährliche Tankstellenstudie, die wir herausbringen, zeigt, wo unsere Position im Wettbewerb ist.  

4. Welche Veränderungen wird aus Ihrer Sicht die Elektromobilität für die Tankstellenbranche allgemein und die einzelne Station im speziellen mit sich bringen und wie wird der Tankstellenmittelstand dabei abschneiden?

Elektromobilität wird Teil der gesamten Mobilität sein. Es ist noch nicht klar, wie umfänglich diese sein wird. Der Verbraucher ist offen für die Elektromobilität. Die Elektrobranche darf den Verbraucher aber nicht enttäuschen. Der Verbraucher kann vergleichen. Verbrenner zeigen jeden Tag auf, was sie können. Das machen sie im fließenden Verkehr genauso wie im winterlichen Verkehr auf der Autobahn. Wer im Stau bei Hitze oder großer Kälte steht, wird mit großer Spannung den Ladezustand seines Autos beobachten. Wer sein Auto mit flüssigen Kraftstoffen betankt oder sein Elektroauto auflädt, dem werden Unterschiede sofort auffallen. Wenn es der Elektroindustrie gelingt, Reichweite und Bequemlichkeit des Ladevorgangs in Richtung der Verbrenner zu entwickeln, dann wird der Verbraucher der Zukunft sich an den Ladesäulen an Tankstellen versorgen. Dann wird die private Elektromobilität auch eine größere Verbreitung erfahren und nicht ein Spielzeug für Drittfahrzeuge unabhängig von der Fahrzeuggröße sein.    

5. Digitalisierung wird in der Tankstellenbranche ein zunehmend bedeutender Aspekt. Wie ist aus Ihrer Sicht der Mittelstand für dieses wichtige Thema gerüstet?

Zur Zeit gibt es viele Lösungen von vielen Anbietern. Der Markt ist massiv im Aufbruch. In den nächsten Jahren wird es Aufgabe der Verbände sein, diese vielen Lösungen zu sortieren und für unsere Mitglieder aufzubereiten. Ich kann als Betreiber einer Tankstelle nicht Dutzende von Lösungen bereithalten. Der Verbraucher erwartet am Ende des Tages vernünftige massentaugliche Lösungen. 
Digitalisierung bedeutet aber nicht alleine die weitere Entwicklung von Zahlungsmitteln, obwohl diese gerade in aller Munde sind. Weniger beachtet davon gibt es viele interessante Entwicklungen für Shop, Waschstraße, Personalentwicklung  und vielen anderen Bereichen mehr. Hier werden wir für unsere Mitglieder den Markt beobachten und in geeigneter Form präsentieren. Hier werden wir zu unserer bisher schon sehr guten Verbandsarbeit in nächster Zeit weitere Bausteine hinzufügen. 

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