Pay at the pump: Wie wirkt sich Mobile Payment auf das Shopgeschäft der Tankstellen aus?

Pay at the pump: Wie wirkt sich Mobile Payment auf das Shopgeschäft der Tankstellen aus?

Typisch deutsch: Die Verbraucher lieben ihr Bargeld, bevorzugen das persönliche Bezahlen und mögen Bankfilialen mit Kundenberatern. Jedoch: Liegen Tankstellenbetreiber mit dieser Einschätzung ihrer Kunden noch richtig, im Jahr 2019?

Die repräsentativ für die deutsche Bevölkerung erhobenen Fakten sprechen eine andere Sprache: Bereits 38% der Konsumenten kaufen mindestens einmal monatlich etwas über ihr Smartphone ein (Quelle: PricewaterhouseCoopers). Sogar 30% der Deutschen haben schon einmal per Smartphone oder Smartwatch mobil bezahlt. Und 44% der Bürger hierzulande können sich vorstellen, auf Bargeld zu verzichten (Quellen: Bitkom). Selbst an der Kasse hält die moderne Technik Einzug: Schon 15% der Kartenzahlungen im deutschen Handel sind kontaktlos (Quelle: Mastercard).

Die Kunden schätzen also schnelles, bequemes Bezahlen. Nur: Geschieht dies künftig vermehrt via Handy statt am Tresen? Und: Inwiefern könnten solch „smarte“ Technologien das Shopgeschäft bedrohen? Im US-amerikanischenTankstellengeschäft, in dem „Pay-at-
the-pump“ – also das Bezahlen direkt an der Zapfsäule – schon lange die Regel ist, zeigen sich überraschende Entwicklungen: In einer NACS*- Studie gaben fast drei von vier (73%) „Pay-at-the-pump“-User an, dass sie „wahrscheinlich“ im Convenience-Store der Tankstelle einkaufen. 82% wünschen sich zudem eine mobile App, mit der sie für C-Store-Artikel bezahlen können. Smartphone-Payment und Shop-Besuch scheinen sich demnach sogar zu ergänzen.

Doch gilt dies ebenso hierzulande? Fest steht jedenfalls: Mobiles Bezahlen kommt. Immer mehr Mineralölgesellschaften ermöglichen es, per Handy direkt an der Zapfsäule zu bezahlen. Während Total dies noch auf Geschäftskunden beschränkt und Shell für Jedermann mit PayPal kooperiert, entscheiden sich vor allem Mittelständler für die markenübergreifende Mobile Payment-Lösung des Tech-Start-ups ryd.

Roll-out bei Deutscher Tamoil noch im ersten Quartal

Wie beispielsweise die Deutsche Tamoil, die den bundesweiten Roll-out noch im ersten Quartal dieses Jahres realisieren will. „Wir sehen Mobile Payment als ersten Schritt hin zum vernetzten Auto“, begründet Oliver Behrens, Leiter Zahlungssysteme und Mobilitätstechnologien. „Wir wollen Innovator im mittelständischen Teil der Branche sein.“ Eine mögliche Entwicklung, dass Kunden künftig die rund 400 HEM-Stationen nur noch an der Säule besuchen, sieht er nicht: „Wir messen auch dem Shop- und Waschgeschäft
eine enorme Bedeutung zu. “Gerade deshalb liege in der laufenden Entwicklung hin zum vernetzten Auto eine unglaubliche Chance für all diejenigen, die von Anfang an dabei seien: „Der Wagen der Zukunft übermittelt den Insassen sehr gezielt personalisierte Angebote, die zum Fahrtverlauf möglichst exakt passen. Davon profitieren unsere Partner. Für sie bringt die Vernetzung sehr viel mehr Umsatzchancen als - Risiken“, sagt Behrens voraus.

Ein Optimismus, den Christian Warning, Geschäftsführer von The Retail Marketeers, klar teilt. Der Experte für Convenience-Stores, der die weltweite Entwicklung der Branche begleitet, prognostiziert beim vermehrten Zahlen an der Zapfsäule sogar steigende Shop-Umsätze. „Es ist für alle Beteiligten nur förderlich, wenn die Zwangs-Bevormundung des Kunden endlich aufhört“, sagt er. Wie kundenorientiert sei es, dass appetit-getriebenen Verbrauchern ihre Lust auf Sandwich & Co. vergehe, weil zu viele „Nur-Tank-Kunden“ die Abfertigung im Shop quälend lange gestalten? Und welches Kundenerlebnis biete man morgens dem Autofahrer auf dem Weg zur Arbeit, der nur schnell volltanken möchte, sich im Anschluss aber noch – möglicherweise durch den Regen – auf dem Weg zur Kasse machen und auch hier trotz Eile warten müsse? „Das Ziel muss doch sein: Keiner stört den anderen“, gibt Warning vor. Dies sei mit „Pay-at-the-pump“ möglich.„Wenn Pächter an einem reinen Tank-Kunden ohnehin kaum etwas verdienen, dann ist es nur konsequent, wenn dessen Wagen die Fahrbahn schnell wieder frei macht“, so Warning. Nämlich für all die Kunden, die ein breites Bistro- Angebot mit Sitzgelegenheiten schätzen und in dem Mitarbeiter die freigewordene Zeit in Kundenbedienung und Service investieren könnten. „Dann steigen Wohlfühl-Charakter und Ausgabe-Bereitschaft“, schildert Warning die Entwicklungen, die genauso bei Convenience-Shops in den USA und Skandinavien stattfanden.

App-Payment zieht auch Neukunden an

Der Zahlungsdienstleister ThinxNet, mit dem nicht nur die Deutsche Tamoil, sondern ebenfalls Mittelständler wie Westfalen, MHB, sprint/go und BayWa kooperieren, zieht nach bislang dreijähriger Erfahrung mit „ryd pay“ eine für das Shopgeschäft ebenfalls positive Bilanz: „Bei vielen Usern, die mit unserer App bezahlen, beobachten wir, dass sich die Verweildauer an der Tankstelle sogar verlängert“, so Geschäftsführer Johannes Martens. „Die User parken nach dem schnellen Bezahlen ihr Auto um und gehen in den
Shop, um maßgeschneiderte Vorteilsangebote, die wir individuell auf die App einspielen, einzulösen“, fasst Martens zusammen. „Diese erstellen wir gemeinsam mit unseren Handelspartnern. Insgesamt konnten wir einen Anstieg an Besuchen auf den bespielten
Tankstellen feststellen. Es gelang also, ryd User auf den Hof einer Station zu bringen, die sonst womöglich woanders getankt hätten.“

*NACS: National Association of Convenience Stores

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