Nordlichter im Smart-Store-Markt: hurtig setzt auf Nähe, Technik und faire Preise
Fin Niklas Schmidt wirkt nicht wie jemand, der ein typisches Start-up betreibt. Er formuliert klar und mit spürbarer Bodenhaftung - genau wie das Konzept, das er mit seinem Mitgründer Tim Andersen entwickelt hat. „Wir sind zwei Freunde aus frühen Schulzeiten“, erzählt der Co-Founder von hurtig, einem aufstrebenden Smart-Store-Anbieter aus dem Norden. Schon mit 15 hätten beide gemeinsam Motorboote gekauft und repariert. „Rückblickend war das der Grundstein für unsere freundschaftliche und unternehmerische Zusammenarbeit.“
Der eigentliche Impuls für Hurtig entstand jedoch bei einem Familienbesuch. „Bei einem Kaffee mit den Großeltern haben wir unsere Ideen konkretisiert“, sagt Schmidt. Als er und sein Partner sich intensiver mit dem Thema ländliche Nahversorgung beschäftigten, sei rasch klar geworden, „wie groß die Herausforderungen wirklich sind“. Der Wunsch, diese Lücke zu schließen, wurde zum Ausgangspunkt für ein Smart-Store-Konzept, das modern, bürgernah und finanziell zugänglich bleiben soll. Aus der Idee beim Kaffee sind mittlerweile sechs Standorte entstanden und 4 weitere sind bereits für 2026 geplant.
Nah dran an den Menschen - und bewusst ohne Start-up-Attitüde
Was hurtig von anderen Anbietern unterscheidet? Für Schmidt ist es der konsequente Fokus auf Nähe. „Wir identifizieren uns in erster Linie mit den Menschen vor Ort. Wir duzen alle Kundinnen und Kunden - egal welchen Alters.“ In den Märkten solle man spüren, dass die Betreiber „aus der Mitte der Gesellschaft“ kommen.
Parallel setzt hurtig auf ein Einkaufserlebnis, das pragmatisch gestaltet ist: klare Prozesse, Echtzeitregistrierung, ein transparenter Checkout, KI-basierte Diebstahlminimierung und vor allem faire Preise. „Wir haben Supermarkt-Preisniveau - plus unsere Preisanker auf Discounter-Niveau. Gerade älteren oder finanziell schwächeren Menschen gegenüber sehen wir eine moralische Verpflichtung.“
Die Standortsuche läuft bei hurtig überraschend häufig über die Kommunen selbst. „Oft finden uns die Gemeinden“, sagt Schmidt. Entscheidend seien zwei Faktoren: der Wille zur Nahversorgung und eine wirtschaftliche Basis.
Über die Jahre hat das Team klare Erfahrungswerte entwickelt: Ein Smart Store sollte mindestens 750 Einwohner im direkten Einzugsgebiet haben - wichtiger sei jedoch die tatsächliche Kaufkraft. Erst wenn sie passt, könne ein Standort langfristig funktionieren.
Technologie als Rückgrat - aber in eigener Hand
Ob Registrierung, Check-in oder Kasse: „Alle drei Bereiche sind in typischen Smart Stores anfällig für Fehler“, erklärt Schmidt. Genau deshalb baut hurtig weite Teile der Technologie selbst.
„Mit Ausnahme von Warenwirtschaft und Kassensystem setzen wir nahezu alle Komponenten inhouse um.“ Das ermögliche schnelle Reaktionen bei Problemen und kontinuierliche Optimierungen.
Beim Kassensystem setzt hurtig aktuell auf eine pragmatische Lösung: „Wir nutzen ein Bela-kompatibles System (DEWAS), um kurzfristig reibungslose Abläufe sicherzustellen.“ Gleichzeitig arbeite das Team bereits an einer eigenen Kassentechnologie - mit dem Ziel, unabhängiger zu werden.
Smart Stores gelten oft als weitgehend automatisiert - für Schmidt ein Irrtum. „Interessanterweise ist es trotz aller Automatisierung weiterhin das Personal, das uns am stärksten beschäftigt.“ Ohne qualifizierte Mitarbeitende wirke ein Markt schnell „kalt oder vernachlässigt“ - und genau das spürten Kundinnen und Kunden sofort.
Der Wegfall klassischer Kassenzeiten bringe jedoch Vorteile: attraktivere, flexiblere Arbeitszeiten und Aufgaben, die näher an der Betreuung und Pflege des Marktes liegen.
Mit dem Wachstum von hurtig wandelt sich auch die Rolle der Gründer. „Unsere Aufgabenbereiche haben sich stark verändert“, sagt Schmidt. Zwar arbeite man weiterhin in allen Bereichen mit - von der Warenverräumung bis zur Akquise -, aber der Fokus liege heute stärker auf Organisation und Administration.
Sortimente mit klarem Profil
hurtig führt in der Regel 2.500 bis 4.500 Artikel - breit genug für den täglichen Bedarf, fokussiert genug für Effizienz. Besonders stark laufen Tiefkühlware, Molkereiprodukte, Getränke und Snacks. „Diese Sortimente zählen bei uns zu den Bestsellern und sind Kern unseres Profils“, so Schmidt.
Partnerschaft mit Bela: Verlässlichkeit als Erfolgsfaktor
In der Warenversorgung arbeitet hurtig eng mit dem MCS-Regionalpartner Bartels-Langness (Bela) in Neumünster zusammen. Schmidt beschreibt die Zusammenarbeit als „enorm wichtig“ und betont Werte wie Verlässlichkeit und Handschlagqualität.
Operativ profitiere hurtig vor allem von einer hervorragenden Betreuung: „Die Außendienstmitarbeitenden sind engagiert, nah dran und unterstützen uns auch bei vermeintlich kleinen Themen.“ Die Kooperation sei locker, aber wertschätzend - „und genau das ist unsere DNA“.
hurtig zeigt, wie moderne Nahversorgung im ländlichen Raum funktionieren kann: technologiegetrieben, preisbewusst und dennoch tief in der lokalen Gemeinschaft verankert. Ein Ansatz, der nicht auf Geschwindigkeit um jeden Preis setzt - trotz des Namens - sondern auf Nähe, Fairness und echten Nutzen für die Menschen vor Ort.
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