Tante-M: Wie Christian Maresch den ersten Smart Store Deutschlands schuf - und warum sein Konzept heute relevanter ist denn je

Als Christian Maresch 2018 durch ländliche Regionen reiste, fiel ihm etwas auf, das viele längst hingenommen hatten: Die Nahversorgung war in weiten Teilen des Landes dramatisch ausgedünnt. „Mir ist aufgefallen, wie schlecht die Versorgung mit Lebensmitteln in den Ortschaften ist“, erinnert sich der Unternehmer. Die Frage, warum das so sei - und ob es eine Alternative geben könne -ließ ihn nicht mehr los. Aus dieser Überlegung heraus entstand eine Idee, die den deutschen Convenience-Markt nachhaltig prägen sollte: Tante-M, der erste vollwertige Smart Store für den ländlichen Raum.

 

Der Start eines Pionierkonzeptes

Im Juli 2019 eröffnete die erste Tante-M-Filiale im baden-württembergischen Grafenberg – „der erste Smart Store Deutschlands“, wie Maresch betont. Sein Anspruch war von Beginn an hoch: ein vollautomatisierter Nahversorger, der rund um die Uhr geöffnet ist, ohne Personal auskommt und dennoch wie ein klassischer Dorfladen funktioniert.

Der Mix aus Sortiment, Technologie und lokaler Verankerung ist zentraler Bestandteil des Konzepts. „Ein Tante-M besteht zu 70 Prozent aus klassischen Artikeln des täglichen Bedarfs und zu 30 Prozent aus regionalen Artikeln“, erklärt Maresch. Besonders wichtig seien Frischeprodukte: Backwaren, Metzgerwaren und Hofprodukte wie Eier, Kartoffeln oder Honig. Durch lokale Lieferanten entstehe „eine starke Identifikation des Ladens mit der Gemeinde“.

Starker Rückhalt durch mittelständische Partner

Schon früh knüpfte Maresch eine enge Zusammenarbeit mit den Regionalpartnern der MCS -allen voran mit Utz Lebensmittel in Baden-Württemberg. „Gestartet sind wir 2019 mit der Firma Utz, die bis heute ein sehr wichtiger und verlässlicher Partner für über 50 unserer Filialen ist.“ Dass die MCS-Großhandlungen überwiegend mittelständisch geprägt sind, sieht er als klaren Vorteil: „Hier wird verstanden, was ein kleiner Laden benötigt.“ Besonders hebt er die regionale Sortimentskompetenz und die Möglichkeit hervor, auch Kleinstmengen zu bestellen.

Diese Nähe zum Mittelstand erweist sich als wichtiger Baustein der schnellen Expansion.

 

Effizienz als Grundprinzip - Technologie als Treiber

Wer Tante-M betritt, erlebt bewusst einen fast „normalen“ Einkaufsvorgang. Im Hintergrund aber arbeitet Hightech.

„Wir setzen eine ganze Menge an Technologien ein, von denen der Kunde nur wenig sieht“, so Maresch. Digitale Temperaturüberwachung, KI-gestützte Kamerasysteme und eine eng verzahnte Warenwirtschaft sorgen für maximale Betriebseffizienz. „Effizienz ist der Schlüssel unseres Konzepts.“

 

Auch das Kassensystem hat einen bemerkenswerten Wandel durchlaufen. Während anfangs noch ein Vertrauenskassensystem ergänzt wurde, sind die Stores heute konsequent auf bargeldlose Self-Checkout-Lösungen ausgerichtet. „SCO-Terminals waren damals visionär -heute kennt jeder den Umgang damit“, sagt Maresch. Das vernetzte Kassensystem sei „das Herzstück eines Smart Stores“, und hier habe Tante M von Anfang an eine Vorreiterrolle eingenommen.

 

Akzeptanz im Dorf – und Begeisterung bei Touristen

Wie reagieren die Menschen auf den unbemannten Laden vor Ort? Maresch spricht von durchweg positiven Erfahrungen. „Die Dorfbewohner sind oft begeistert“, erklärt er. Schließlich schließe Tante-M vielerorts eine echte Versorgungslücke und bringe wieder Lebensqualität zurück.

Interessant: Auch touristische Regionen wie der Bodensee oder die Schwäbische Alb profitieren enorm. „Die Touristen lieben es, dass wir offen haben, wenn es ihnen passt -vor allem an Sonn- und Feiertagen oder spät abends.“

Und auch als sozialer Treffpunkt überrascht Tante-M positiv. Zwar sei es kein Café, aber: „Der Tratsch im Laden findet trotzdem statt – nur eben nicht mit der Kassiererin, sondern mit anderen Kunden.“ Viele Stores bieten Sitzmöglichkeiten, und der Coffee-to-go oder das Eis werden gern gemeinsam vor dem Laden genossen.

City-M: Der nächste Schritt im urbanen Raum

Mit City-M hat Maresch bereits den nächsten Meilenstein gesetzt: ein urbanes 24/7-Konzept, jünger und dynamischer als Tante-M und technisch noch stärker automatisiert. Der Fokus liegt klar auf Convenience und Ready-to-Eat-Produkten.

Die Technologie ist hier noch einen Schritt weiter: Zugangskontrollen mit Exit Gates, elektronischen Preisschildern für Dynamic Pricing, KI-gestützte Kassensysteme bis hin zur automatischen nächtlichen Reinigung. Das Ziel ist eindeutig: „Ein möglichst voll autonomer, effizienter Betrieb.“

Die Pläne sind ambitioniert: „Wir wollen ein deutschlandweites Roll-out für den urbanen Bereich. Die Nahversorgung in den Städten steht vor den gleichen Herausforderungen wie der ländliche Raum.“

Eine Zielgruppe? Gibt es nicht. „Wie auf den Gesellschaftsspielen: 6–99 Jahre“, sagt Maresch mit einem Augenzwinkern. Das System sei für jedermann einfach und zugänglich.

Beim Finden neuer Standorte arbeiten die Gemeinden häufig aktiv mit. „Oft kommt die Initiative von der Kommune“, erklärt Maresch. Der Betrieb selbst sei dann aber Sache von Tante-M – und bewusst unabhängig organisiert.

 

Die Zukunft der Nahversorgung: Smart, wirtschaftlich, flexibel

Die Rahmenbedingungen im Handel sprechen eine klare Sprache: Personalmangel, steigende Kosten, der Wunsch nach flexiblen Öffnungszeiten und strenge Regelungen an Sonn- und Feiertagen. Maresch ist überzeugt: „Für Kleinflächen und Umgebungen mit geringem Umsatz sind Smart Stores die Zukunft -auf dem Land und in der Stadt.“

 

Der Blick nach vorn

Aktuell betreibt Tante-M 69 Standorte in sechs Bundesländern. Doch das Wachstum geht rasant weiter: „Im Jahr 2026 überschreiten wir die 100 – und bis Ende 2027 sollen es 300 Standorte in mindestens zwölf Bundesländern werden.“

Was vor sechs Jahren als unternehmerische Beobachtung begann, ist heute eines der relevantesten Nahversorgungskonzepte in Deutschland. Und vieles spricht dafür, dass Tante-M -und City-M – dieser Rolle noch lange gerecht werden.

 

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