Self-Checkout wird Alltag: Wie SCO-Kassen den Tankstellenmarkt verändern
An deutschen Tankstellen vollzieht sich derzeit ein spürbarer Wandel. Was lange ausschließlich über die bemannte Kasse lief, wird zunehmend durch digitale Prozesse unterstützt. Immer mehr Betreiber - vor allem im Mittelstand - setzen auf Self-Checkout-Systeme, um ihre Abläufe zu modernisieren und den veränderten Erwartungen ihrer Kundschaft gerecht zu werden. Für Benno Kerling, Geschäftsführer von HUTH Elektronik Systeme, ist dieser Trend weder kurzfristige Mode noch Experiment, sondern eine logische Antwort auf strukturelle Herausforderungen des Marktes. Personalmangel, volatile Frequenzen und der Wunsch nach schnellen, unkomplizierten Abläufen bilden den Nährboden für eine Technologie, die den Tankstellenbesuch nachhaltig verändert.
Gerade Autofahrer, die ihren Tankstellenstopp als notwendige, aber unliebsame Unterbrechung empfinden, profitieren von der neuen Möglichkeit. Kerling beschreibt diese Kundengruppe als Menschen, die „den Tankvorgang so schnell und einfach wie möglich erledigen möchten“ und für die Schnelligkeit und Einfachheit selbst ein positives Einkaufserlebnis darstellen. Gleichzeitig bleibt die Chance, Kunden im Shop für weitere Angebote zu gewinnen, größer als etwa bei Tank-Apps, bei denen der Kontakt zum Shop vollständig entfällt.
Die Akzeptanz der Systeme wächst spürbar, auch wenn Self-Checkout an der Tankstelle für viele noch kein eingeübtes Verhalten ist. Kerling betont, wie wichtig die Platzierung im Shop ist. Idealerweise stehe der SCO zusätzlich zur bemannten Kasse, sodass der Kassierer Kunden bei Schlangenbildung gezielt auf die neue Option hinweisen könne. Das erhöhe die Sicherheit, jederzeit Unterstützung zu bekommen, und senke die Hemmschwelle. Nach den ersten Erfahrungen ist die Motivation des Personals ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Nur wenn Mitarbeitende aktiv darauf hinweisen und durch klare Signale wie Deckenabhänger oder Bodenmarkierungen unterstützt werden, wird der SCO als gleichwertige Alternative wahrgenommen.
Erstaunlich ist, dass die meisten Installationen nicht bei großen Mineralölgesellschaften, sondern bei mittelständischen Betreibern erfolgen. „Diese sind experimentierfreudiger, innovativer und flexibler“, so Kerling. Große Unternehmen testen zwar ebenfalls erste Anlagen, nutzen diese aber eher, um Erfahrungen für spätere Skalierungen zu sammeln.
Der Funktionsumfang der SCO-Systeme orientiert sich klar an den typischen Kernprozessen einer Tankstelle. Tanken, Autowäsche und Kaffeespezialitäten lassen sich einfach abwickeln. Dabei zeigt der SCO zunächst nur die Zapfsäulen und deren Status. Erst nach der Auswahl werden Menge und Betrag angezeigt, und der Kunde muss bestätigen, dass es sich um seine eigene Tankung handelt. Kaffee und Waschprogramme werden über visuell unterstützte Menüs ausgewählt, und der Kunde erhält nach dem Kauf einen Barcode-Beleg zur Einlösung am jeweiligen Gerät. Shopware wird bisher nur zurückhaltend über SCO verkauft, da die Branche Unsicherheiten beim Thema Inventurdifferenzen sieht. Dort, wo sie aktiviert ist, dominieren vor allem Getränke den Verkauf.
Für den Betreiber ist der technische Aufwand überschaubar. Der SCO entspricht im Kern einem zusätzlichen Kassenarbeitsplatz, der nahtlos in das bestehende T600-System integriert wird. Häufig wird der früher vorhandene, heute ungenutzte zweite Kassenplatz reaktiviert, was die Investition deutlich reduziert. Die Geräte können zudem flexibel auf mobilen Ständern positioniert werden, sodass die Platzierung an das reale Kundenverhalten angepasst werden kann. Ab 2026 wird dieselbe Hardware sowohl als klassische Kasse als auch als Self-Checkout nutzbar sein, was zusätzliche Flexibilität schafft.
Auch für Smart Stores ist die Technologie relevant. Kerling unterscheidet allerdings klar zwischen klassischen Self-Checkout-Konzepten und autonomen Stores. Für klassische Smart Stores, etwa bei Qwik24, sei das HUTH-System bereits gemeinsam mit der Lösung des Partners fillibri im Einsatz, lediglich robuster verpackt, um Manipulationen vorzubeugen. Für autonome Stores arbeitet HUTH mit verschiedenen Herstellern daran, die Erfassung über Kamera-KI an den SCO zu übergeben, sodass „nach hinten raus“ weiterhin der gewohnte Bezahl- und Abrechnungsvorgang möglich bleibt - bis hin zur Integration in SAP.
Für die Zukunft ist Kerling überzeugt, dass Self-Checkout an Tankstellen mittelfristig „genau wie im LEH zum new normal“ wird. Zwar würden heute nur wenige Stationen neu gebaut, doch bei Modernisierungen werde der SCO zunehmend direkt eingeplant. Die flexible Nutzung der Hardware nehme dem Betreiber die Sorge vor einer endgültigen Entscheidung. Noch sei Self-Checkout an Tankstellen nicht flächendeckend etabliert, aber die Richtung sei klar: Die Prozesse werden schneller, die Kassenzonen hybrider und die Erwartungshaltung der Kunden verändert sich spürbar.
Der Wandel ist damit längst begonnen. Und für viele Betreiber eröffnet er genau das, was sie heute am dringendsten benötigen: Entlastung, Effizienz und ein zeitgemäßes Angebot für eine zunehmend mobile Kundschaft.
Praxisbeispiele für den Einsatz des HUTH Self Check Out Terminals finden Sie beispielsweise hier bei team Energie oder Kuttenkeuler.
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